Confed-Cup in Brasilien, die Vorübung für den "Ernstfall" WM nächstes Jahr: und Zigtausende gehen auf die Straßen und protestieren, gegen die Eintrittspreise, gegen die FIFA-Knebelverträge, gegen erhöhte Nahverkehrstickets, gegen diese und jene politische Entscheidung oder Richtung, die sie nicht mehr mittragen, nicht mehr ertragen wollen. Oder können. Oder beides.
Der Fußball wird politisiert, und das wird endlich Zeit. Ihn wie bisher als tief in der Gesellschaft verwurzelt und verbreitet zu bejubeln, aber dabei krampfhaftund quasi-totalitär aus der Politik heraushalten zu wollen, ist ein künstliches Konstrukt gewesen. Indem der Fußball Bestandteil einer Gesellschaft ist, ist er auch politisch. Auch wenn das die Funktionäre in ihrem geschlossenen Weltbild nicht wahrhaben wollen.
Vielleicht bricht sich langsam, aber sicher vor allem bei den jungen Menschen die Überzeugung Bahn, dass nicht alles klaglos hinzunehmen ist, was von den Älteren "da oben" verordnet wird - meist ja zum Nutzen Der-da-oben und zum Nachteil der Jüngeren, sprich Der-da-unten. Aufstände - ja genau, Erhebungen sind es, ein Aufbegehren gegen sattsame Ungerechtigkeiten - wie in Brasilien oder der Türkei werden fortan wohl weltweit mehr und mehr geprobt werden. Das ist zumindest zu hoffen: um der um sich greifenden verordneten Unmündigkeit des Volkes Paroli zu bieten. Auch im Fußball.
20. Juni 2013
30. Januar 2013
Am Anfang war der Zweifel (I)
Am Anfang war der Zweifel. Im September wieder ein Jahr
älter geworden (einige trifft es jedes Jahr), morgens zwickte es mal hier, mal dort, meistens aber hier und dort, doch das Schlimmste: noch nie
im Verein Fußball gespielt, man darf es gar nicht laut sagen, als Pass-Redakteur
schon gar nicht. Einen Sechser zu kritisieren, ist eine Sache – einen Sechser
zu geben, eine ganz andere.
Dabei ging es damals recht vielversprechend los, oder es hätte losgehen können, Freund und
Vereinsfußballer R. attestierte einem regelmäßig und durchaus wohlwollend, dass
man sicherlich in der Lage sei, in einer Telefonzelle - vielleicht sogar mehrfach hintereinander - drei Gegner auszuspielen
(in welcher Telefonzelle befanden sich schon drei Gegner? Immerhin gab es damals noch Telefonzellen), dass es einem aber ganz sicher an Wettkampfhärte
mangele, die man nur über regelmäßige Punktspieleinsätze erlangen könne. Damit
ließ sich leben, das Etikett „Straßenfußballer“ war noch nie schlecht, Wolfram Wuttke galt damals als Prototyp des Straßenfußballers, oder auch Walter Laubinger, Laubinger in Hamburg eher noch.
Gut
in Erinnerung auch Tennistrainer P. A., der damals immerhin Ricky Osterthun und
Michael Westphal trainierte und der vom Nachbarplatz herüberlugte, als man zum
Ende des Trainings ein wenig kickte, zwei gegen zwei auf gekippte Bänke, das Highlight des Tennistrainings, und
das vergiftete Lob aussprach: „Warum
spielst du eigentlich Tennis?“ Das war das Startsignal.
Das Probetraining beim SCC verlief dann auch ordentlich,
elf wird man gewesen sein, vielleicht zwölf, Knaben sowieso, B vermutlich, doch
als die Reise zum ersten Spiel in Hoisbüttel endete statt in Hoisdorf und als
man unverrichteter Dinge schon eine Stunde später wieder zu Hause eintraf,
an einem eisigen Januarsonntag gegen elf, was Teile der Elternschaft dem Betreuer
und dessen durchaus regelmäßigem Alkoholkonsum zuschrieben und was ohne Zweifel dem Betreuer zuzuschreiben war,
beschloss genau diese Elternschaft, und zwar ohne weitere Rücksprache mit dem
Sohn, diesen weiter Hockey spielen zu lassen und nicht Fußball –
was für die Dauer von drei Jahrzehnten Bestand hatte, der Mensch ist ein
Gewohnheitstier.
(To be continued...)
GW
20. Januar 2013
Pyros: Die Stimmung kippt
Leverkusen gegen Frankfurt: die Eintracht spielt gut, erspielt sich langsam einen Vorteil. Dann werden Leuchtraketen aufs Spielfeld geschossen - sie kommen aus dem Gästeblock. Von Eintracht-Fans. Zumindest nennen die sich so. Die Folgen: Das Spiel unterbrochen, der Faden der Mannschaft gerissen, zwei Tore von Bayer und das Spiel letztlich verloren.
Nach all den Diskussionen um Fankultur und DFB: diese Aktion. Nicht nur völlig unnötig, sondern die Widerlegung der eigenen Bestrebungen. Mit Leuchtraketen auf Menschen schießen ist sicher keine Fankultur. Mit Raketen auf Menschen schießen ist überhaupt keine Kultur. Entsprechend sind die Schützen auch keine Fans, sondern barbarische Egomanen: nach dem Motto "Ich hab Eintritt bezahlt, ist mir doch scheißegal, was sich da unten auf dem Rasen tut, ICH will SPASS!"
Was hatten die Fanvertreter getobt: gegen die Politik und gegen den DFB. Man wolle ihre Rechte als Fans beschneiden. Aktionen gab es, um zu demonstrieren, dass Fußball ohne Fans in den Kurven stimmungstot ist. Am Ende hat sich die Bewegung selbst diskreditiert.
Aber die Stimmung kippt: die Mehrheit der Fußballanhänger und Fußballliebhaber will nicht länger unter einzelnen Ewig-Gestrigen zu leiden haben. Auf Fan-Foren wird lautstark gegen sie geschossen; Bezeichnungen wie "Arschlöcher" oder "Wichser" waren nach dem Frankfurt-Spiel in Leverkusen noch die harmloseren.
Bleibt zu hoffen, dass künftig Pyromanen draußen bleiben. Der Fußball braucht sie nicht, sie brauchen den Fußball nicht. Sollen sie sich doch anderswo treffen und gegenseitig beschießen. Vielleicht im Dschungelcamp. Das würde dann auch live übertragen, und ihr Ego wäre zufriedengestellt.
Nach all den Diskussionen um Fankultur und DFB: diese Aktion. Nicht nur völlig unnötig, sondern die Widerlegung der eigenen Bestrebungen. Mit Leuchtraketen auf Menschen schießen ist sicher keine Fankultur. Mit Raketen auf Menschen schießen ist überhaupt keine Kultur. Entsprechend sind die Schützen auch keine Fans, sondern barbarische Egomanen: nach dem Motto "Ich hab Eintritt bezahlt, ist mir doch scheißegal, was sich da unten auf dem Rasen tut, ICH will SPASS!"
Was hatten die Fanvertreter getobt: gegen die Politik und gegen den DFB. Man wolle ihre Rechte als Fans beschneiden. Aktionen gab es, um zu demonstrieren, dass Fußball ohne Fans in den Kurven stimmungstot ist. Am Ende hat sich die Bewegung selbst diskreditiert.
Aber die Stimmung kippt: die Mehrheit der Fußballanhänger und Fußballliebhaber will nicht länger unter einzelnen Ewig-Gestrigen zu leiden haben. Auf Fan-Foren wird lautstark gegen sie geschossen; Bezeichnungen wie "Arschlöcher" oder "Wichser" waren nach dem Frankfurt-Spiel in Leverkusen noch die harmloseren.
Bleibt zu hoffen, dass künftig Pyromanen draußen bleiben. Der Fußball braucht sie nicht, sie brauchen den Fußball nicht. Sollen sie sich doch anderswo treffen und gegenseitig beschießen. Vielleicht im Dschungelcamp. Das würde dann auch live übertragen, und ihr Ego wäre zufriedengestellt.
Labels:
Bengalos,
Fangewalt,
Fankultur,
Gewalt im Stadion,
Pyromanen,
Pyrotechnik
Abonnieren
Posts (Atom)